Zinsloser Kredit unter Freunden – Möglichkeiten und Risiken bei Verwandtendarlehen

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Während Sie für einen klassischen Kredit bei der Bank oder bei einem Online Kreditgeber einen Vertrag bekommen, geht eine monetäre Leihgabe unter Freunden oder in der Familie meist ohne Schriftstück von statten. Doch genau darin liegt das Problem, das Sie bei einem Verwandtendarlehen vielleicht übersehen könnten. Auch wenn Sie den Kredit zinsfrei bekommen und nur den Betrag zurückzahlen, den Sie erhalten haben, sollten Sie eine schriftliche, von beiden Parteien unterzeichnete Vertragsgrundlage schaffen.

Spätestens bei Gutschriften auf Ihrem Konto könnte schnell der Verdacht aufkommen, dass Ihr zinsloser Kredit zusätzliches Einkommen darstellt und versteuert werden muss. Um diese Problematik zu umgehen und Ärger mit dem Finanzamt oder einer Sozialbehörde auszuschließen, sollten Sie ein zinsloses Darlehen unter Freunden und in der Familie als Solches deklarieren.

Zinsfrei oder zinsgünstig: Steuerfallen und Ärger mit Freunden vermeiden

Wenn Sie sich 100 oder 500 Euro in bar leihen, müssen Sie innerhalb der Familie nicht zwingend einen Vertrag aufsetzen. Doch schon im Freundeskreis sollten Sie nicht auf eine schriftliche Vereinbarung verzichten. Halten Sie unbedingt fest, wann Sie den Betrag erhalten und bis zu welchem Zeitpunkt Sie ihn zurückzuzahlen haben.

Anderenfalls könnte es zu gravierenden Problemen kommen, spätestens wenn Sie die mündlich vereinbarte Frist übersehen und den Grundstein für eine zerbrochene Freundschaft legen. Bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Hierbei handelt es sich nicht um eine Metapher, sondern um die schonungslose Realität.

Ebenso sollten Sie sich davor schützen, in die Steuerfalle zu tappen oder von der Arge sanktioniert zu werden, weil das geliehene Geld als Einkunft gewertet wird. Haben Sie sich zinsfrei oder zinsgünstig Geld von Freunden geborgt, scheuen Sie sich nicht, auf private Kreditverträge zu bestehen und sich in alle Richtungen abzusichern. Das gilt auch, wenn ein zinsloser Kredit beispielsweise bis zum nächsten Gehaltseingang gewährt und nach zwei Wochen oder einem Monat zurückgezahlt wird.

Private Kreditverträge – ratsam oder unnötig?

Auf jeden Fall ist ein Kreditvertrag ratsam. Zwischen Eltern und Kindern oder unter Ehepartnern kann man im Einzelfall davon absehen. Doch wenn es um entferntere Verwandte oder um Freunde geht, schließt ein Vertrag spätere Streitigkeiten aus. So können Sie zum Beispiel festhalten, dass es sich beim Privatkredit um ein zinsloses Darlehen handelt.

Sollte Ihr Freund später Zinsen einfordern, können Sie sich auf den Vertrag berufen und beweisen, dass Ihnen ein zinsloser Kredit gegeben wurde. Je höher die geliehene Summe, umso wichtiger wird der Vertrag. Leihen Sie sich beispielsweise zinsfrei Geld für ein Auto oder die Modernisierung eines Hauses, bedingt allein die Summe den Fokus auf private Kreditverträge.

Neben der Einhaltung einer Formvorgabe, die alle wichtigen Punkte wie im geschäftlichen Kreditvertrag beinhalten muss, sollten Sie gesonderte Vereinbarungen auflisten und jede Seite des Vertrags unterzeichnen. Einen Zeugen benötigen Sie nicht, wenn Sie einen Vertrag aufsetzen und den Privatkredit auf Basis einer fundierten Vereinbarung vergeben.

Was ist ein Privatkredit und wann wird ein zinsloses Darlehen als Einkommen gewertet?

Generell bezeichnet ein Privatkredit jedes Darlehen, dass ohne eine Bank vergeben wird. Borgen Sie sich Geld von einem Familienmitglied, einem Freund oder einem Arbeitskollegen, handelt es sich um ein Darlehen von Privat.

Im Regelfall wird dieser Kredit als zinsloses Darlehen vergeben, wobei Sie auch bei Privatkrediten berechtigt sind, einen gebräuchlichen Zinssatz zu veranschlagen und durch die Leihgabe Rendite zu erwirtschaften. Bei Verwandtendarlehen oder auch wenn ein zinsloser Kredit unter engen Freunden vergeben wird, steht die Rendite eher selten im Mittelpunkt.

Ist der Kredit zinsfrei, muss dieser Vermerk im Vertrag enthalten sein. Erscheint ein zinsloser Kredit auf dem Kontoauszug, sollte dieser zur Sicherheit des Kreditnehmers zwingend als zinsloses Darlehen im Verwendungszweck beschrieben werden. Auf diesem Weg lässt sich ausschließen, dass das Verwandtendarlehen letztendlich als Einkommen gewertet und versteuert wird.

Sie zahlen ein zinsloses Darlehen zurück und sollten auch bei der Tilgung beachten, dass Ihre Überweisungen durch ihre Verwendungshinweise als Tilgung für den Kredit erkennbar sind. Je umfassender Sie sich absichern, umso besser umschiffen Sie eventuelle Probleme und umso plausibler sind die Transferwege und der Betrag, der als zinsloser Kredit und nicht als geschenktes Geld auf Ihrem Konto erscheint.

Ein zinsloser Kredit muss klar als Privatkredit definiert werden

Spätestens bei der jährlichen Steuererklärung lässt sich ein zinsloser Kredit nicht geheim halten. Während Sie als Empfänger von Sozialleistungen schon zum Zeitpunkt des Geldempfangs zur Erklärung verpflichtet sind, stehen Sie als Arbeitnehmer oder Selbstständiger am Jahresende vor der Aufgabe, das erhaltene Geld plausibel darzustellen und damit eine unnötige Versteuerung zu vermeiden.

Während kleinere Summen, die nicht als Privatkredit erkenntlich sind über Ihr Einkommen versteuert werden, kann bei größeren Beträgen eine nicht zu unterschätzende Schenkungssteuer anfallen. Ihr zinsloser Kredit ist auf einmal nicht mehr “zinsfrei”, sondern weitaus teurer, als wenn Sie sich Geld von der Bank geliehen hätten.

Achten Sie daher explizit darauf, dass ein Freundes- oder Verwandtendarlehen mit dem entsprechenden Vermerk an Sie ausbezahlt wird. Um spätere Probleme zu vermeiden, sprechen Sie konkret ab, welcher Verwendungszweck und welcher Hinweis in der Überweisung ersichtlich sein sollten.

Zusätzlich dienen private Kreditverträge dazu, dass Sie einen Beweis erbringen und den Erhalt des Geldes als Leihgabe definieren können. Ein zinsloses Darlehen ist eine gute und günstige Alternative zum Bankkredit, sofern Sie diese Möglichkeit des Kredits mit der gleichen Sorgfalt behandeln wie ein Darlehen, dass Sie bei einer Bank beantragen.

So vermeiden Sie die Schenkungssteuer für ein zinsloses Darlehen

Jeder nicht als Einkommen erzielte Betrag, vor allem bei größeren Summen, wird als Schenkung gewertet, sofern Sie keine anderweitige Erklärung für das Geld auf Ihrem Konto haben. Das Finanzamt nimmt eine Schenkung an, sobald ein Kredit ohne Zinsen vergeben und länger als ein Jahr laufen wird. Wichtig ist ebenso, dass die Freibeträge pro Jahr nicht überschritten werden.

All diese Probleme und steuerlichen Einschränkungen sind vermeidbar, in dem Sie kenntlich machen, dass dieses Geld ein zinsloser Kredit und keine Schenkung ist. Kredite, die als solche vermerkt und entsprechend gekennzeichnet sind, wirken sich weder bei Empfängern von Sozialleistungen, noch bei Arbeitnehmern oder Selbstständigen negativ aus.

Wenn Sie den Betrag auf Ihrem Konto generell vermeiden möchten, kann ein zinsloser Kredit durchaus auch als Barkredit vergeben und auf diesem Weg an Sie ausbezahlt werden. Auf den Vertrag sollten Sie dennoch nicht verzichten, da niemand einen Blick in die Zukunft werfen und den Bestand einer Freundschaft perspektivisch einschätzen kann.

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